Es ist noch gar nicht allzu lange her, da wurde man in Neuss schnell zum Nörgler oder Dauernörgler erklärt, wenn man bei der Landesgartenschau nicht nur auf Blumen, schöne Bilder und das große Gemeinschaftsgefühl schauen wollte, sondern auf die Kosten, die Folgekosten und die Frage, was nach dem 11. Oktober eigentlich übrig bleibt. Wer wissen wollte, wie teuer der spätere Betrieb des Bürgerparks wird, ob dafür neue Strukturen geschaffen werden und wer diese auf Dauer bezahlt, störte eher die gute Stimmung. Nun steht das Ende der Landesgartenschau vor der Tür, und plötzlich liegen genau die Fragen auf dem Tisch, die vorher lieber klein gehalten wurden. Das Muster kennt man inzwischen: Informationen kommen scheibchenweise, Kosten werden spät konkret und wenn die Dimension sichtbar wird, heißt es sinngemäß, man habe nun einmal angefangen und müsse deshalb weitermachen. Verwaltung im Salami Modus. Erst eine Scheibe, dann noch eine, und wenn die ganze Wurst auf dem Tisch liegt, soll bloß niemand fragen, wer eigentlich bestellt hat.

Unser Bürgermeister ist in den vergangenen anderthalb Jahren nicht müde geworden, die Landesgartenschau unter dem Motto „Neuss wie noch nie“ hervorzuheben. Das war nicht irgendein Werbespruch am Rande, sondern die große Erzählung rund um das Projekt. Die Stadt sprach von einem dauerhaften Impuls für Lebensqualität und Stadtentwicklung, vom neuen grünen Herzen und von einem bleibenden Mehrwert für kommende Generationen. Jetzt bekommen wir tatsächlich etwas wie noch nie: einen Bürgerpark, bei dessen laufenden Kosten man sich langsam fragt, ob dort demnächst auch noch Champagner aus den Rasensprengern kommt.

Die Zahl, an der man nicht vorbeikommt

Nach den am 5. Oktober bekannt gewordenen Berichten zum Nachnutzungskonzept sind knapp 1,5 Millionen Euro jährlich für Grünpflege und Unterhaltung vorgesehen. Weitere knapp 600.000 Euro sollen für Sicherheit, Sauberkeit und technische Anlagen anfallen. Damit geht es schon jetzt um mehr als zwei Millionen Euro pro Jahr, bevor die langfristige Entwicklung von Personal, Ersatzinvestitionen und der künftigen Gesellschaftsstruktur überhaupt vollständig sichtbar ist.

In Neuss wird gerade gleichzeitig gespart, gekürzt, erhöht und weitergebaut. Das ist ungefähr so, als würde man wegen Spritmangels das Auto verkaufen und sich zur Feier des Tages einen Motorbootliegeplatz mieten.

Aus 380.000 Euro wird eine völlig andere Kostenwelt

Besonders bemerkenswert ist der Vergleich mit der ursprünglichen Planung. In einer Ratsunterlage aus der Bewerbungsphase 2021 wurde für dauerhafte Pflege und Unterhaltung noch mit rund 380.000 Euro im Jahr gerechnet. Nach der aktuellen Berichterstattung zum inzwischen vorliegenden Nachnutzungskonzept stehen heute knapp 1,5 Millionen Euro für Grünpflege und Unterhalt sowie weitere knapp 600.000 Euro für Sicherheit, Sauberkeit und Technik im Raum. Selbst wenn einzelne Positionen nicht eins zu eins vergleichbar sein sollten, reden wir hier nicht mehr über ein bisschen daneben gerechnet. Das ist eher Wahnsinn im Galopp.

Genau deshalb ärgert mich die Art, wie solche Projekte in Neuss immer wieder behandelt werden. Erst wird mit großen Bildern geworben, kritische Fragen gelten als störend und die wirklich unangenehmen Zahlen bleiben möglichst lange im Hintergrund. Die nüchterne Rechnung kommt erst dann, wenn Anlagen gebaut, Verträge geschlossen und politische Fakten geschaffen sind. Danach folgt der immer gleiche Satz: Jetzt könne man ja schlecht zurück. Genau so funktioniert Salami Taktik. Erst ein kleines Stück, dann das nächste, und wenn am Ende die ganze Wurst auf dem Tisch liegt, wird der Fortgang damit begründet, dass man schließlich schon angefangen habe. Das ist Verwaltung nach Gutsherrenart: Wir haben es beschlossen, wir haben es gebaut, und jetzt darf der Haushalt sehen, wo er bleibt. Der Clou daran ist fast schon genial: Über die unangenehme Rechnung spricht man erst dann, wenn sie ohnehin schon auf dem Tisch liegt. Geisterfahrer im Kreisverkehr, nur dass am Ende alle anderen die Stoßstange bezahlen.

Neuss spart überall. Nur hier scheint noch immer Party zu sein

Das Ganze wäre selbst in guten Haushaltsjahren erklärungsbedürftig. Im heutigen Neuss hat es inzwischen etwas von kommunalem Kabarett, nur ohne Pause und leider mit echtem Eintrittsgeld. Wir erhöhen Steuern, suchen Millionenbeträge im Haushalt zusammen, prüfen freiwillige Leistungen und diskutieren darüber, ob wir eine Eishalle schließen, weil dort Geld eingespart werden kann. Bürgern, Vereinen und Einrichtungen wird erklärt, dass sich die Stadt nicht mehr alles leisten könne. Gleichzeitig entsteht beim neuen Stadtpark eine dauerhafte Kostenstruktur von mehr als zwei Millionen Euro im Jahr, und das scheint zunächst eher als organisatorische Aufgabe denn als grundsätzliches Haushaltsproblem behandelt zu werden.

Natürlich braucht eine Stadt Grünflächen, und natürlich ist ein gepflegter Park besser als eine verwahrloste Fläche. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass jede Ausstattung, jede Struktur und jeder daraus entstehende Daueraufwand unangetastet bleiben muss. Ich bezweifle schlicht, dass die Mehrheit der Neusser angesichts von Steuererhöhungen, maroder Infrastruktur und drohenden Leistungskürzungen ausgerechnet auf einen Bürgerpark gewartet hat, der dauerhaft Millionen verschlingt. Ein schöner Park ist angenehm. Aber irgendwann kippt angenehm in absurd, wenn man wenige Kilometer weiter über die Schließung bestehender Angebote spricht und gleichzeitig einen Parkbetrieb mit Millionenaufwand zur neuen Normalität erklärt. Der Haushalt soll Diät machen, aber der Bürgerpark bestellt noch Dessert. Irgendwo zwischen Eishalle, Steuerbescheid und Grünpflege müsste man sich vielleicht einmal entscheiden, ob wir gerade sparen oder nur sehr kreativ Geld ausgeben.

Die Laga ist vorbei. Die Laga GmbH offenbar nicht.

Mindestens genauso irritierend wie die Folgekosten ist die Frage, was mit der eigens geschaffenen Landesgartenschau Neuss 2026 GmbH geschieht. Man könnte meinen, eine Gesellschaft, deren Name schon das Jahr 2026 trägt, habe nach der Veranstaltung irgendwann ihren Zweck erfüllt. Die Verwaltung sieht das anders. Bereits im Februar hat sie schriftlich erklärt, die Laga GmbH sei „auf Dauer angelegt“ und stehe auch zukünftig als organisatorische Struktur für den Betrieb des Stadtparks zur Verfügung.

Genau an solchen Stellen sieht man, wie Strukturen in der öffentlichen Hand wachsen und anschließend kaum noch verschwinden. Für ein zeitlich begrenztes Projekt werden Zuständigkeiten, Personal und eine Gesellschaft aufgebaut. Wenn das Projekt endet, wird nicht zuerst gefragt, was davon wieder verschwinden kann und welche Aufgaben vorhandene städtische Bereiche übernehmen könnten. Stattdessen wird eine neue Aufgabe gefunden, die den Fortbestand rechtfertigt. Aus einem Projektapparat wird Schritt für Schritt eine Dauerstruktur.

Und dann drängt sich eine unangenehme Frage auf: Werden hier am Ende auch Versorgungsposten geschaffen? Ich behaupte ausdrücklich nicht, dass jemand persönlich versorgt werden soll. Aber wenn eine Gesellschaft für ein befristetes Großprojekt gegründet wird, das Großprojekt endet, die Gesellschaft aber weiterlebt, Personal bleibt und anschließend neue Aufgaben gesucht werden, dann muss man schon sehr vertrauensselig sein, um diese Frage nicht wenigstens zu stellen. Offenbar ist in der öffentlichen Hand manches vergänglicher als anderes. Veranstaltungen enden. Gesellschaften eher selten. Und Stellen haben bekanntlich die bemerkenswerte Eigenschaft, auch nach Ende ihres ursprünglichen Zwecks erstaunlich robust weiterzuatmen.

Die Verwaltung hat zugleich erklärt, dass ein zukünftiges Defizit der Gesellschaft bei Bedarf über weitere Ausschüttungen der LVN oder unmittelbar aus dem städtischen Haushalt ausgeglichen werden könnte. Man kann das technisch als normale Finanzierung einer städtischen Gesellschaft beschreiben. Für den Bürger bleibt die Rechnung trotzdem dieselbe: Wenn es nicht reicht, zahlt am Ende die Stadt.

Linke Tasche, rechte Tasche. Die Hose bleibt dieselbe.

Besonders hübsch wird es immer dann, wenn innerhalb des Stadtkonzerns neue Einnahmen entstehen sollen. Nach der aktuellen Planung ist unter anderem vorgesehen, städtische Nutzungen auf das Gelände zu verlagern. Dann zahlt eine städtische Einheit Miete an eine andere städtische Einheit, und auf deren Erfolgsrechnung sieht das zunächst nach Einnahme aus. Nur entsteht dadurch noch kein neues Geld in Neuss. Ein interner Mietstrom ist kein wirtschaftlicher Erfolg, solange an anderer Stelle nicht tatsächlich Kosten entfallen oder frei werdende Immobilien echte zusätzliche Erlöse bringen.

Dieses Muster kennen wir inzwischen. Ein städtisches Projekt braucht Einnahmen, also zieht ein anderer städtischer Nutzer ein. Schon hat die eine Seite Mieterträge und die andere Mietaufwand. Zwei Buchungen später sieht es aus, als sei wirtschaftlich etwas passiert. Tatsächlich hat das Geld nur den Schreibtisch gewechselt. Das kann im Einzelfall sinnvoll sein, aber interne Verrechnungen sind noch keine neue Wertschöpfung. Am Ende ist es dieselbe Stadt, dieselbe Bilanz und derselbe Steuerzahler. Man kann denselben Euro sehr oft verbuchen, umtopfen, weiterreichen und mit einer hübschen Kostenstelle versehen. Mehr wird er davon trotzdem nicht. Sonst hätten wir das Haushaltsproblem ja längst mit Excel gelöst.

Auch der Aufsichtsrat gehört nach 2026 auf den Prüfstand

Hinzu kommt eine Governance Frage, die nach dem Ende der Landesgartenschau noch wichtiger wird. Der Aufsichtsrat der Laga GmbH besteht aus elf stimmberechtigten Mitgliedern. Sieben entsendet die Stadt Neuss, vier die Landesarbeitsgemeinschaft Gartenbau und Landespflege Nordrhein Westfalen. Zu den sieben Neusser Stimmen gehören der Bürgermeister sowie Vertreter von CDU, SPD, AfD und Grünen. Der Rat selbst hat diese städtische Besetzung Ende 2025 beschlossen.

Für die Durchführung einer Landesgartenschau mag es gute Gründe geben, einen externen Fachverband mit vier stimmberechtigten Sitzen einzubinden. Wenn dieselbe Gesellschaft aber nach 2026 dauerhaft einen Neusser Stadtpark betreiben, Personal beschäftigen, Investitionen begleiten und gegebenenfalls dauerhaft kommunale Zuschüsse benötigen soll, muss diese Konstruktion neu diskutiert werden. Dann geht es nicht mehr um die Durchführung einer zeitlich begrenzten Landesgartenschau, sondern um eine dauerhafte kommunale Aufgabe. Warum bei einer solchen Struktur vier von elf Stimmen außerhalb der Neusser kommunalpolitischen Repräsentation liegen sollen, ist zumindest eine Frage, auf die Politik und Verwaltung eine überzeugende Antwort geben müssen.

Wie stoppt man das jetzt noch?

Die wichtigste Frage lautet inzwischen nicht mehr nur, wie teuer das alles wird, sondern wie man diese Entwicklung noch stoppt, bevor aus einer Übergangslösung die nächste jahrzehntelange Dauerstruktur wird. Die Antwort ist erfreulich altmodisch: Dafür gibt es einen Stadtrat. Die Verwaltung darf vorbereiten, organisieren und vorschlagen. Entscheiden muss am Ende die Politik. Wenn eine Mehrheit der Auffassung ist, dass diese Struktur zu teuer ist, dass die GmbH nach Ende der Landesgartenschau zurückgebaut werden muss oder dass Aufgaben in bestehende Bereiche gehören, dann muss der Rat genau das beschließen. Sonst kann man sich die Sitzungen auch sparen und gleich den Verwaltungsapparat abstimmen lassen.

Niemand kann sich anschließend darauf zurückziehen, die Verwaltung habe es eben so vorgeschlagen oder es sei nun schon zu spät. Wenn man immer erst dann diskutiert, wenn die Bagger längst gefahren, die Verträge längst geschlossen und die Strukturen längst aufgebaut sind, wird aus dem Rat ein Abnickgremium mit Tagesordnung. Dann kann man die Sitzungen auch gleich mit dem Satz eröffnen: Guten Abend, die Entscheidung ist gefallen, jetzt fehlt nur noch Ihre Zustimmung. Dafür braucht man keine Kommunalpolitik. Der Stadtrat ist dafür da, notfalls auch einmal den Fuß auf die Bremse zu stellen, bevor der nächste kommunale Geisterfahrer im Kreisverkehr die dritte Runde dreht.

Die fetten Jahre sind vorbei. Das muss auch für Prestigeprojekte gelten.

Das eigentliche Problem ist deshalb größer als der Bürgerpark. Es geht um die Haltung, mit der Politik und Verwaltung mit neuen Strukturen umgehen. Wer auf der einen Seite Haushaltskonsolidierung predigt, Steuern erhöht und Einrichtungen auf den Prüfstand stellt, kann auf der anderen Seite nicht so tun, als hätten Prestigeprojekte einen eingebauten Denkmalschutz gegen Sparmaßnahmen. Sparen für die anderen, Bestandsschutz für die eigenen Lieblingsprojekte, das wäre dann tatsächlich Neuss wie noch nie. Wenn wirklich jede Ausgabe hinterfragt werden soll, dann muss das auch dort gelten, wo bereits viel politisches Kapital investiert wurde.

Bei der Nachnutzung sollte deshalb nicht nur gefragt werden, wie man das bestehende Konzept finanziert, sondern vor allem, ob diese Struktur überhaupt gebraucht wird. Braucht der Park dauerhaft eine eigene GmbH? Braucht es das vorgesehene Personal? Können Aufgaben von Stadtgrün oder anderen bestehenden Strukturen übernommen werden? Welche der vermeintlichen Einnahmen sind wirklich externe Einnahmen, und welche sind nur Verrechnungen im Stadtkonzern? Welche Ausstattung kann reduziert werden, ohne dass der Park seinen Zweck verliert? Genau das wäre echte Konsolidierung.

Und jetzt liegt ein erheblicher Teil der Verantwortung bei der CDU. Wer an anderer Stelle Einschnitte fordert, über Schließungen spricht und Haushaltsdisziplin einfordert, kann bei einer neuen Millionenstruktur nicht plötzlich die Hände heben und auf die Verwaltung verweisen. Wenn die CDU dieses Projekt in der vorgesehenen Form für falsch oder zu teuer hält, dann muss sie im Rat die nötigen Mehrheiten zusammenzimmern, um es zu stoppen oder deutlich kleiner zu machen. Dafür gibt es Politik. Dafür gibt es einen Stadtrat. Nicht zum freundlichen Winken am Straßenrand, während der Wahnsinn im Galopp vorbeizieht.

Es reicht nicht, später zu erklären, man habe Bedenken gehabt. Wenn jetzt nicht gegengesteuert wird, kennen wir den nächsten Akt schon heute: Die Struktur sei nun einmal da, die Beschäftigten seien nun einmal da, die Verträge seien nun einmal da und ein Rückbau wäre inzwischen leider viel zu teuer. Verwaltungspolitisches Perpetuum mobile. Erst schafft man die Struktur, dann begründet die Struktur ihren eigenen Fortbestand. Wenn das so weitergeht, braucht der Bürgerpark am Ende nur noch einen eigenen Feiertag. Wer diesen Film nicht noch einmal sehen will, muss jetzt aus dem Kino gehen.

Mein Fazit

„Neuss wie noch nie“ war anderthalb Jahre lang die große Überschrift über der Landesgartenschau. Wenn die Nachnutzung tatsächlich dauerhaft mehr als zwei Millionen Euro im Jahr kostet, eine eigens geschaffene Gesellschaft weiterlebt und neue Dauerstrukturen entstehen, bekommt dieses Motto plötzlich einen ziemlich bitteren Beigeschmack: Neuss wie noch nie, Kosten wie noch nie. Ausgerechnet in einer Zeit, in der uns überall erklärt wird, dass das Geld nicht mehr reicht. Wenn Politik und Verwaltung das ernst meinen, dann wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, nicht noch die nächste Scheibe abzuschneiden und anschließend überrascht auf die leere Wurst zu schauen. Irgendwann ist auch die beste Salami alle.

Quellen und Hinweise

Die Kostenangaben zum aktuellen Nachnutzungskonzept beruhen auf der Berichterstattung der Rheinischen Post vom 5. Oktober 2026. Das Konzept wurde dort als bislang nicht öffentlich beziehungsweise als Verschlusssache beschrieben. Aussagen zur dauerhaften Laga GmbH und zur Gremienstruktur lassen sich dagegen direkt in öffentlichen Unterlagen der Stadt Neuss nachvollziehen.