In Neuss wird seit Monaten darüber diskutiert, wie viele Schwimmbadstandorte die Stadt künftig noch haben soll. Im Mittelpunkt steht vor allem das Stadtbad. Aber wenn man sich die Unterlagen anschaut, merkt man schnell: Die eigentliche Frage ist größer.
Es geht darum, ob Neuss dauerhaft Nordbad, Südbad und Stadtbad betreibt oder ob die Stadt auf Nordbad und ein deutlich ausgebautes Südbad setzt. Und genau bei dieser Frage lohnt es sich, nicht nur auf die Baukosten zu schauen, sondern auf die Rechnung über viele Jahre.
Bundesförderung für das Stadtbad
aktuelle Förderung aus dem zweiten Programm
Nordbad, Südbad und Stadtbad
Differenz zwischen drei Standorten und zwei ausgebauten Standorten
Der Kern der Debatte in einem Satz
Die Lösung mit Nordbad und ausgebautem Südbad kostet beim Umbau zunächst mehr. Über 40 Jahre liegt sie in der offiziellen Rechnung trotzdem deutlich unter dem Modell mit Nordbad, Südbad und Stadtbad.
Worum es konkret geht
Im Zentrum der politischen Diskussion stehen vor allem zwei Varianten:
- Variante 2b mit Nordbad, Südbad und Stadtbad: Diese drei Standorte bleiben erhalten. St. Konrad entfällt. Das Lehrschwimmbecken wird in das Stadtbad integriert.
- Variante 4 mit Nordbad und ausgebautem Südbad: Das Nordbad bleibt erhalten. Das Südbad wird zum Schwimmzentrum ausgebaut. Stadtbad und St. Konrad entfallen.
Wichtig ist dabei: Die Variante mit Nordbad und ausgebautem Südbad bedeutet nicht einfach weniger Wasserfläche. Gerade der Ausbau des Südbades soll dafür sorgen, dass Schulen, Vereine und Öffentlichkeit weiterhin ausreichend Kapazitäten haben.
So unterscheiden sich die Investitionen
Nur auf die Investitionskosten zu schauen, greift zu kurz. Genau das passiert in der Debatte aber oft zuerst.
Warum der erste Blick täuscht
Wenn man nur auf die Investition schaut, spricht erst einmal einiges für Nordbad, Südbad und Stadtbad. Der Haken ist nur: Ein Schwimmbad kostet nicht einmal Geld und ist dann fertig. Personal, Energie, Technik, Reparaturen und laufende Unterhaltung fallen Jahr für Jahr an.
Deshalb hat die NBE nicht nur die einmaligen Investitionen verglichen, sondern auch gerechnet, was die verschiedenen Modelle über 40 Jahre bedeuten. Und bei dieser Rechnung sieht es plötzlich ganz anders aus.
Die eigentliche Rechnung: kumulierter Verlust über 40 Jahre
Je länger der Zeitraum, desto stärker wirken die laufenden Kosten der Standorte.
Ist Neuss ein eigener Innenstadtstandort auf Sicht von 40 Jahren rund 95,9 Mio. € zusätzliche Belastung gegenüber Nordbad und einem ausgebauten Südbad wert?
Was die Förderung tatsächlich verändert
Für die Sanierung des Stadtbades hatte Neuss 8 Mio. € Bundesförderung beantragt. Der erste Anlauf war erfolglos. Danach wurde das Projekt in einem zweiten Förderprogramm noch einmal eingereicht. Am Ende wurden 2,5 Mio. € bewilligt.
2,5 Mio. € sind natürlich besser als gar keine Förderung. Nur: Die ursprüngliche Rechnung sah eben mit 8 Mio. € eine ganz andere Größenordnung vor.
damaliger Ansatz für die Maßnahme
maximal mögliche Bundesförderung
tatsächliche Förderung
weniger als ursprünglich erhofft
Bezogen auf den damaligen Sanierungsansatz von 24 Mio. € deckt die Förderung gut zehn Prozent ab. Das ist relevant, aber eben kein Betrag, der die Grundsatzfrage zur künftigen Bäderstruktur erledigt.
Die Förderchronologie in Kurzform
Grundlage ist ein Sanierungsansatz von rund 24 Mio. € für das Stadtbad.
Die Projektskizze wird im ersten Programm nicht berücksichtigt.
Neuss nutzt die neue Förderschiene für Schwimmbäder und reicht das Projekt erneut ein.
Damit steht fest: Eine Förderung gibt es, aber deutlich unter der ursprünglichen Erwartung.
Warum die Lösung mit zwei Standorten gerade jetzt interessant wird
Die Haushaltslage der Stadt ist bekannt. In den kommenden Jahren stehen Einsparungen, Gebührendiskussionen und schwierige Priorisierungen an. Genau in so einer Lage wird die Frage nach Folgekosten wichtiger als die Frage nach Symbolik.
Die offizielle Wirtschaftlichkeitsbetrachtung sagt nicht, dass zwei Standorte automatisch die bessere politische Entscheidung sind. Sie zeigt aber ziemlich klar, dass Nordbad und ein ausgebautes Südbad langfristig günstiger kommen können. Wer trotzdem am Stadtbad festhalten will, kann dafür gute Gründe haben. Die Mehrkosten gehören dann aber genauso ehrlich auf den Tisch.
| Vergleich | Unterschied über 40 Jahre |
|---|---|
| Nordbad, Südbad und Stadtbad gegenüber Nordbad plus ausgebautem Südbad | 95,9 Mio. € |
| Drei Standorte plus Lehrschwimmbecken am Südbad gegenüber Nordbad plus ausgebautem Südbad | 118,8 Mio. € |
| Alle vier Standorte gegenüber Nordbad plus ausgebautem Südbad | 167,1 Mio. € |
Mein Punkt
Die Diskussion sollte nicht so geführt werden, als stünden auf der einen Seite drei vollwertige Bäder und auf der anderen Seite einfach weniger Angebot. Der Vergleich ist ein anderer: Nordbad, Südbad und Stadtbad gegen Nordbad und ein deutlich ausgebautes Südbad. Und diese beiden Modelle haben über Jahrzehnte sehr unterschiedliche Kosten.
Was daraus für die politische Debatte folgt
Wer das Stadtbad erhalten will, kann dafür gute politische Gründe anführen. Innenstadt, Identität, Erreichbarkeit, Tradition, all das ist legitim. Aber dann sollte ehrlich dazugesagt werden, dass diese Entscheidung nach der vorliegenden Berechnung langfristig spürbar teurer ist.
Und wer Nordbad und ein ausgebautes Südbad für sinnvoller hält, argumentiert damit nicht automatisch gegen Schwimmen in Neuss. Es geht um eine andere Struktur: weniger Standorte, dafür mehr Kapazität am Südbad und eine deutlich günstigere Rechnung über 40 Jahre.
Für mich ist genau das der Punkt, über den jetzt gesprochen werden muss.
Quellen und Unterlagen
Die Zahlen in diesem Beitrag beruhen auf öffentlichen Vorlagen und Anlagen aus dem Ratsinformationssystem der Stadt Neuss sowie auf öffentlichen Mitteilungen zur Förderentscheidung.
- Bäderkonzept und Wirtschaftlichkeitsbetrachtung der NBE mit Variantenvergleich und Betrachtung über 40 Jahre.
- Beschlussvorlage zur Beantragung von Bundesfördermitteln für die Sanierung des Stadtbades mit angesetztem Kostenrahmen und beantragter Förderhöhe.
- Öffentliche Informationen der Stadt und aus dem Ratsinformationssystem zur Förderhistorie sowie zur erneuten Antragstellung.
- Öffentliche Mitteilung zur bewilligten Förderung in Höhe von 2,5 Mio. €.